Hochzeitskleid selber nähen?

Als ich das erste Mal jemandem erzählte, ich möchte mein Hochzeitskleid selber nähen, kam sofort ein großer Aufschrei. Das ginge ja gar nicht, war die Ansage. Sich das Hochzeitskleid selbst zu nähen, bringe Unglück und überhaupt gebe es ja so viele schöne Alternativen. Natürlich kam ich ins Grübeln, ob ich die richtige Entscheidung getroffen hatte, am Ende habe ich mich aber dafür entschieden. Warum und welche Vor- und Nachteile es mit sich bringt, das Hochzeitskleid selbst zu nähen, verrate ich euch in diesem Beitrag auf meinem Nähblog.

Hochzeitskleid selber nähen

Warum ich mein Hochzeitskleid selber nähen wollte

Eins vorneweg: Eine Hochzeit ist etwas so Individuelles, dass man überhaupt nicht sagen kann, sich selbst das Kleid zu nähen, wäre richtig oder falsch. Ich habe mich aus ganz verschiedenen Gründen dafür entschieden. Wenn ihr mir schon länger folgt, wisst ihr, dass ich Klamotten kaufen hasse. Mich stresst schon das Eintreten in die Umkleidekabine. Und dann das furchtbare Licht! Die Spiegel in den Dingern sorgen zusammen mit dem Licht dafür, dass in mir jedes bisschen Selbstbewusstsein zu einer winzigen Erbse zusammensinkt. Darauf hatte ich, nachdem ich meine Kleidung nun seit fast zwei Jahren ausschließlich selbst nähe, überhaupt keine Lust.

Hinzu kommt, dass wir uns zwar lange vor Corona für diesen Schritt entschieden haben, der ganze Papierkram durch die Corona-Krise aber über ein Jahr gedauert hat. Als wir dann endlich die Erlaubnis hatten, haben wir auch gleich einen Termin bekommen – in 4 Wochen. Das heißt, wir hatten nur 4 Wochen Zeit, alles zu organisieren. Da war nicht wirklich viel zu tun, schließlich fällt in Pandemiezeiten jede Feier flach, aber ein bisschen Vorbereitung war es dann doch und aufgrund von geschlossenen Läden war es schon ein Kraftakt, überhaupt die passenden Eheringe rechtzeitig zu bekommen. An ausgiebiges Kleidershopping war also nicht zu denken.

Heiraten in Corona-Zeiten
Während der Corona-Pandemie zu heiraten, kann zum echten Abenteuer werden.

Außerdem wollte ich kein klassisches Brautkleid. Eigentlich hatte ich nicht einmal daran gedacht, in Weiß zu heiraten. Glücklicherweise rückte mein Mann dann aber noch rechtzeitig mit der Sprache raus und erzählte mir, was er sich vorstellt und das war irgendwie kein cooles Hippie-Sommerkleid, sondern ein schlichtes Kleid in Weiß. Warum auch nicht, dachte ich mir. Lange Ärmel muss es haben, sonst frierst du, sagte er nur. Zufälligerweise trug ich nur einen Tag später ein Jerseykleid, das ich nach einem ganz einfachen Burda-Easy-Schnitt genäht habe und vorher noch nicht getragen hatte. Als mein Mann es entdeckte, fingen seine Augen an zu leuchten und er meinte, wie schön dieses Kleid geworden sei. Da war die Entscheidung klar – Wiederholungstaten sorgen beim Nähen schließlich Frust vor und warum nicht einen bewährten Schnitt mit einem schönen Spitzenstoff nähen? Auf jeden Fall wollte ich ein Kleid, das ich nicht nur für zehn Minuten im Standesamt tragen kann, sondern das sich auch dazu eignet, zu anderen Angelegenheiten getragen zu werden.

Ich habe mich also für einen Burda-Easy-Schnitt aus der Ausgabe 05/2020 entschieden. Das Kleid wird mit einem U-Boot-Ausschnitt genäht, der als aller erster Schritt drankommt. Wie genau ich vorgegangen bin, verrate ich euch innerhalb der nächsten Tage noch in einem gesonderten Artikel. Soviel aber vorneweg: ein bisschen Bastelei war dabei, die elastische Spitze und den Viskose-Jersey zu vernähen. Allerdings hat es sich sehr gelohnt. Beide Stoffe habe ich übrigens bei Stoff & Stil gekauft und bin von der Qualität sehr begeistert.

Darf eine Braut ihr Kleid selbst nähen?

Schnell bin ich vor dem Nähen auf die Frage gestoßen, ob eine Braut ihr Kleid selbst nähen darf. Tatsächlich gibt es die Legende, es würde Unglück bringen, sich sein Kleid selbst zu nähen. Dieser Aberglaube stammt aus der Zeit, in der der Bräutigam noch für das Brautkleid aufkommen musste. Konnte sich der Bräutigam kein Kleid für seine Braut leisten, verhieß dies keine finanziell abgesicherte Zukunft für die Frau.

Ich persönlich halte nicht viel von solchen Aberglauben und denke, es ist durchaus an der Zeit, mit solchen Bräuchen zu brechen. Eine Braut, die sich ihr Kleid selbst kauft oder näht, zeigt vielmehr, dass sie unabhängig und selbstständig in die Ehe geht – und dies aus Liebe, nicht etwa aus finanzieller Abhängigkeit heraus tut. Für mich hatte das Nähen meines Brautkleides daher ganz besonderen Symbolcharakter. Wer dem Frieden dabei jedoch nicht traut, kann die letzten Stiche auch von jemand anderem nähen lassen und ein Haar in den Saum mit einnähen. Beides habe ich vorsichtshalber übrigens auch gemacht ;-).

Das Hochzeitskleid selber nähen: Die Vor- und Nachteile

Wenn ihr euer Hochzeitskleid selber nähen möchtet, habt ihr Stoff und Stil selbst in der Hand. Meines Erachtens lohnt es sich vor allem dann, wenn ihr

  • einen bewährten Schnitt zur Hand habt,
  • ausreichend Näherfahrung besitzt,
  • euch ein nicht zu kompliziertes Kleid wünscht,
  • genaue Vorstellungen davon habt, wie euer Kleid aussehen soll und was euch steht,
  • ausreichend Zeit zur Verfügung habt,
  • keine bedeutsamen Gewichtsab- oder -zunahmen plant.

Ein Hochzeitskleid ist immer mit Emotionen verbunden. Ist die Zeit eh knapp, ihr wünscht euch ein aufwendiges Modell oder habt noch nicht viel Näherfahrung – das sind Faktoren, die ihr ganz ehrlich in eure Überlegungen einbeziehen solltet und die gegen das Nähen des Brautkleides sprechen.

Ein Nachteil ist definitiv der emotionale Part. Ein Hochzeitskleid muss sitzen. Jeder Nähfehler kann wirklich Nerven kosten und zu Tränen führen. Ein weiterer Nachteil ist der Faktor Zeit. Es kostet meistens sehr viel länger, ein schönes Kleid zu nähen, das passende Schnittmuster und den passenden Stoff zu finden, als es scheint. Wenn ihr einige Tage Urlaub oder generell viel Zeit habt, um das Kleid zu nähen, lohnt es sich. Ist dies nicht der Fall, überlegt euch unbedingt, ob ihr nicht doch lieber den Kauf vorzieht.

Entscheidet ihr euch für das Nähen des Hochzeitskleides, habt den passenden Stoff und ein schönes Schnittmuster gefunden, werdet ihr mit einem ganz individuellen Hochzeitskleid belohnt, das zu euch und euren persönlichen Körpermaßen passt.

Hochzeitskleid selber nähen

Mein Kleid ist für mich persönlich genau das richtige gewesen und ich würde mich jederzeit wieder dafür entscheiden.

Welche Wahl habt ihr getroffen oder würdet ihr für eure Hochzeit treffen?

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3 Antworten

  1. Daniela F sagt:

    ich hatte auch mein Hochzeitskleid selber genäht, ein Schnitt der mir stand und auch unkompliziert war. Die Krux dabei: ich hatte eine Lage mit Chiffon im Rockteil genäht. Montagabend war alles fertig, es in kaltes Wasser (damals hatte ich noch keinen Gedanken an Vorwaschen verschwendet wie heute bei Baumwolle, Jersey mach ich erst hinterher..) gesteckt, vorsichtig klatschnass auf den Bügel gehängt zum Trocknen. Am nächsten Tag die grausame Wahrheit: der Chiffon ging ein, der Rest des Kleides war eine Nummer kleiner geworden.. ich war so schrecklich traurig darüber, schnappte meine Mom und wir fuhren in die Stadt um etwas „nettes“ zu kaufen, es war eigentlich nur ein Rock mit Bluse, nicht mal was besonderes und gefallen hatte es mir auch nicht wirklich, aber ich hatte keine Zeit mehr, denn der Mittwoch war ein Feiertag 🙁 Donnerstag war die Hochzeit… tja, es kann auch anders herum dumm laufen, denn die Ehe hielt nicht lange 😉 ich hoffe sehr, dass es bei Euch beiden genau anders herum läuft und ihr bis an Euer Ende zusammen glücklich seid. 🙂

    • swerner sagt:

      Liebe Daniela, oh nein! Genau vor solchen Dingen hat man beim Selbernähen natürlich immer mega Angst.
      Ich hatte zur Not noch ein zweites Kleid aus einem anderen Stoff und nach einem anderen Schnittmuster genäht, weil ich einen Plan B haben wollte. Ich hoffe auch, dass das gelungene Kleid bei uns ein gutes „Vorzeichen“ für die Ehe ist. Vielen lieben Dank für deinen Kommentar und dir alles, alles Gute! Sabrina

  2. Doris Schmelzer sagt:

    Ich hab mein Keid auch selbst genäht! Es war ein Easy-Teil! 1979 noch mit Stufenrock , Midi-Länge, cremefarben, Puffärmel und ohne Futter!! 2 Std. bevor die Gäste für den Polterabend kamen, hab ich festgestellt, dass ich es zwar zugeschnitten hatte, aber vergessen hatte es zu nähen!! Ich bin halt das Chaos pur! Also Maschine raus – bis die Gäste kamen war es fertig!
    Da wir ohne Familie nur mit 4 Freunden in Wien geheiratet haben, musste auch nicht viel geplant werden. Ich trug zu dem Kleid auch noch Granat-Schmuck – was angeblich auch ein schlechtes Omen ist! Na ja lange hat es nicht gehalten nach 5 Jahren waren wir wieder geschieden. Das Kleid hängt noch bei meinen alten „Schätzchen“ auf dem Dachboden. Aber ich hatte es später noch oft an, da es nicht so extrem nach Brautkleid aus sah!

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