Nähen lernen: einfacher Abnäher

Ob Oberteil oder Hose – viele Schnittmuster sehen Abnäher vor. Wie ihr einen einfachen Abnäher nähen könnt, erkläre ich euch heute auf meinem Nähblog.

Ich kann mich noch gut an meinen ersten Abnäher erinnern. Ein komisches Dreieck im Schnittmuster zeigte an, dass hier etwas anders war als sonst und nach etwas Probieren hielt ich am Ende ein Top in der Hand, das auch im Brustbereich perfekt passte. Abnäher zu nähen, ist im Grunde ganz einfach. Trotzdem schreckt man als Nähanfänger erst einmal davor zurück. Daher zeige ich euch heute, was ihr hierbei beachten müsst und wie ihr Schnittmuster und Stoff am besten hierfür vorbereitet.

Doch zunächst einmal zur Frage:

Wozu braucht man eigentlich einen Abnäher?

Wer Schnittmuster erstellen lernt, wird schnell mit dem Fakt konfrontiert, dass man sich den menschlichen Körper immer in 3D vorstellen muss. Ein Schnittmuster wird also nicht mit dem Gedanken an den menschlichen Körper als Foto konstruiert, sondern immer mit dem Gedanken, dass auch das „Volumen“ beachtet werden muss. Der Körper hat Rundungen, an die sich der Schnitt anpassen muss, zum Beispiel im Bereich der Brust oder im Bereich der Hüfte. Ein Abnäher sorgt dafür, dass sich der Schnitt an diese Rundungen besser anpasst und sich der Stoff später an die Körperform anschmiegt. Typisch sind daher beispielsweise Abnäher im Bereich der Brust oder im oberen Bereich der Hose, wo der Schnitt von der Taille in Richtung Hüfte weiter werden muss.

Schnittmuster korrekt auf Stoff übertragen

Meiner Erfahrung nach ist beim Abnäher gar nicht das Nähen selbst ein Thema, sondern Probleme entstehen eher im Vorfeld, beispielsweise wenn Markierungen nicht korrekt vom Schnittmuster auf den Stoff übertragen werden. Der erste Schritt besteht daher darin, den Abnäher exakt zu übertragen. Hierfür schneidet ihr den hierfür vorgesehenen Keil im Schnittmuster auf einer Seite ein.

Abnaeher Schnittmuster
Schnittmuster: Burda Style 06/2012 Nr. 109 (Hose im 70er-Jahre-Stil)

Nun könnt ihr den Abnäher im Schnittmuster auf der nicht eingeschnittenen Seite umknicken und den inneren Rand mit einem Markierstift oder mit Schneiderkreide auf den Stoff übertragen.

Abnäher einzeichnen

Hier habe ich die Markierungen wie beschrieben im oberen Bereich der Hose übertragen. Außer den Linien für den Abnäher (die hier noch einmal rot markiert sind), seht ihr Linien für eine später aufzusetzende Tasche. Der Abnäher lässt sich vor dem Nähen am besten „formen“, indem ihr an die Spitze quer zum Stoffrand eine Stecknadel einstecht. In der Breite stecht ihr von Linie zu Linie eine Stecknadel quer zum Stoffrand ein. Indem ihr den Stoff im Bereich der quer eingesteckten Nadel nach oben schiebt, könnt ihr den Keil nun exakt formen. Diesen Arbeitsschritt seht ihr hier noch einmal im Video:

Habt ihr den Abnäher in Form gebracht, steckt ihr ihn mit Stecknadeln ab und näht von außen nach innen mit einem Geradstich an der Linie entlang. An der Spitze lasst ihr die Naht ein paar Millimeter parallel zur Kante laufen, damit später keine „Tüte“ entsteht. Den so entstandenen Abnäher bügelt ihr zur Seite (im Fall einer Hose in Richtung Mittelnaht) oder nach unten (bei Brustabnähern).

Und so sieht das Ergebnis von der rechten Stoffseite aus:

Abnäher

Einen Brustabnäher hat beispielsweise die Camisole nach einem Schnittmuster von Schnittduett, die ich im Sommer gern trage.

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