Selber nähen – lohnt sich das?

Gerade in Zeiten, in denen gefühlt alles teurer wird, fragt ihr euch vielleicht auch, ob es sich wirklich lohnt, selber zu nähen. Ich selbst habe noch nie aus dem Grund genäht, um damit Geld zu sparen. Gerade, wenn ich mal wieder tagelang an einem aufwendigen Projekt sitze oder mein Junior einen Wachstumssprung macht und gefühlt den gesamten Kleiderschrank neu gefüllt braucht, kommt aber auch bei mir die Frage auf, ob sich das selbst Nähen wirklich lohnt.

selber nähen und sparen

Einen Aha-Effekt hatte ich vor rund einem Jahr. Damals erzählte mir eine Freundin, wiederum eine Freundin von ihr sei Modedesignerin für schicke Abendkleider. Früher habe sie gern Kleider bei ihr gekauft. Seitdem ein Kleid aber über 100 EUR koste, finde sie sie zu teuer. Die Kleider entwirft die Designerin übrigens nicht nur selbst, sondern sie näht sie auch selbst. Ich war, ehrlich gesagt, geschockt. Jeder, der sich schonmal ein etwas schickeres Kleid genäht hat, weiß, wieviel Arbeit und Materialkosten dazu kommen. Beim selber Nähen rechnen die meisten noch nicht einmal die Zeit mit ein, das müssen professionelle Designer natürlich tun. Ein solches Kleid ist also meiner Meinung nach um eine Vielfaches mehr wert.

Danach habe ich mir einfach mal die Mühe gemacht und für meine Nähprojekte ganz ehrlich die Kosten berechnet.

Was das Nähen kostet

Zu den üblichen Nähkosten gehört:

  • der Stoff inklusive eventuelle Einlagen
  • Material wie Knöpfe und Reißverschlüsse
  • Nähgarn
  • Kosten für das Schnittmuster

Laufende bzw. längerfristige Kosten gibt es natürlich auch. Dazu gehören die Kosten für Nähmaschine und Overlock. Vielleicht habt ihr sogar auch einen Plotter, dann gehört der natürlich, ebenso wie Plotterfolien, auch zu den Kosten dazu.

Nähzeit – ein Kostenfaktor?

Ob die Nähzeit zu den Nähkosten gezählt werden sollte, ist sicherlich eine individuelle Frage und kommt auf die persönliche Situation an. Nähen ist einerseits eine entspannendes Hobby, andererseits ist es dennoch Zeit, die als „Produkionszeit“ gesehen werden kann. Das Argument, dass das Einkaufen von Kleidung auch Zeit in Anspruch nimmt, würde ich hier nicht gelten lassen. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich liebe es, in Stoffgeschäften zu stöbern und mich durch Online-Stoffläden zu klicken. Und dann kommt natürlich noch Zeit für die Planung eines Nähprojektes hinzu.

Letztendlich ist das Nähen also viel zeitfressender als das Kaufen von Kleidung – dafür gibt es meines Erachtens aber auch nichts Schöneres, als dem Klappern der Nähmaschine zu lauschen und ein gelungenes fertiges Projekt in den Händen zu halten.

Gründe für das selber Nähen

Bei meinen Berechnungen hat sich ganz klar gezeigt – wenn ich allein die Materialkosten berechne, ist ein selbst genähtes Kleidungsstück definitiv teurer als der Vergleich mit Kleidung bei H&M, Zara und Co. Was spricht dann trotzdem für das selber Nähen?

  • Ein sorgfältig genähtes Kleidungsstück ist wesentlich hochwertiger als Massenware vom Discounter.
  • Kleidung selber nähen bedeutet, die Kleidung genau an den eigenen Körper anzupassen. Nichts zwickt und zwackt und Fehlkäufe in der kleineren Kleidernummer mit der Maßgabe, bestimmt bald wieder reinzupassen, entfallen 😉
  • Die Stoffqualität bestimmt ihr selbst. Ich nähe die Kleidung für mich und meinen Sohn jetzt seit fast vier Jahren ausschließlich selber und die Stoffe, die ich bis jetzt gekauft habe, waren in Sachen Qualität immer besser, als beim Vergleich von günstiger gekaufter Kleidung.
  • Beim Nähen erhaltet ihr absolute Unikate, die es so kein zweites Mal gibt.
  • Ihr tut etwas gegen die Fast-Fashion-Industrie.

Ob diese Argumente überwiegen, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Was für das selber Nähen für mich persönlich ausschlaggebend war, waren keine Preisgründe.

Weshalb ich wirklich selber nähe

Ich habe schon als Kind gern genäht, gestrickt und war gern mit meinen Händen aktiv. Irgendwann sind die ersten Hosen für mein Kind entstanden, wie bei so vielen anderen auch, die mit dem Nähen anfangen. Der richtige Knackpunkt kam aber vor rund vier Jahren. Zu dem Zeitpunkt habe ich entschieden, keine Kleidung mehr zu kaufen – die einzige Ausnahme: Unterwäsche und dicke Winterjacken. Aber auch diese beiden Sachen kaufe ich nur noch selten und nähe sie mittlerweile selber. Insgesamt habe ich in den vergangenen vier Jahren also lediglich in jedem Jahr eine dicke Winterjacke für das Kind und Hochzeitsunterwäsche für mich gekauft.

Ich hatte mir als Ziel ein shoppingfreies Jahr gesetzt und war mir nicht sicher, ob ich es durchhalten würde. Die Zeit verging wie im Flug und ich habe überhaupt nicht mehr das Bedürfnis, irgendwelche Kleidung zu kaufen. Die Motivation zum Nähen, auch wenn das Kind mal wieder innerhalb von wenigen Wochen stapelweise Kleidung braucht, sind die Folgenden:

Fast-Fashion versus Slow Fashion

Ich wollte mich der Fast-Fashion-Industrie entgegenstellen. Ich habe noch nie besonders gern Kleidung gekauft. Doch bei Kinderkleidung ist man ja doch stark von der Modeindustrie abhängig und muss ständig irgendetwas shoppen. Wenn man selber näht, hat man genau im Blick, wieviel Kleidung Kinder brauchen und näht letztlich auch nur, was wirklich getragen wird.

Natürliche Materialien

Beim Nähen verwende ich ausschließlich natürlich Materialien, meistens Baumwolle. Das ist mit gekaufter Kleidung kaum umzusetzen. Beim Nähen kann man selbst über die Zusammensetzung entscheiden und ich habe selbst meinen Wintermantel aus reiner Wolle, einer reinen Baumwoll-Einlage und einem Futter aus Baumwolle genäht. Kurz gesagt: Ich liebe das Teil!!

Farben und Muster selber wählen

Ich wollte, dass mein Kind frei von Vorgaben der Kleidungsindustrie nach eigenem Geschmack Farben und Muster wählt und trägt. Ich wollte, dass er nicht den Geschlechterrollen, die in den Modeabteilungen vorgegeben sind, auf den Leim geht, sondern ganz frei seinen eigenen Geschmack entwickeln kann.

Freude beim Tun

Nicht zuletzt habe ich natürlich auch viel Freude beim Nähen, beim Planen von Nähprojekten, beim Entwickeln von eigenen Schnittmustern und beim Auswählen von Stoffen.

Selber nähen und sparen

Wie ihr seht, ich habe mich für das selber Nähen nicht wegen des lieben Geldes entschieden. Trotzdem kann man beim Nähen sparen – und zwar sogar so viel, dass man in vielen Fällen dann doch günstiger dabei wegkommt als beim Kaufen der Kleidung. Das fängt beim Stoffkauf an.

1. Nähprojekte längerfristig planen

Ich liebe Instagram und die ganzen tollen Ideen, die in der Nähcommunity entstehen. Da geht es schnell, dass man den Wunsch hat, das ein oder andere Projekt nachzunähen. Ich habe mir aber angewöhnt, Nähprojekte längerfristig auf meine Nähliste zu setzen. Aus zwei Gründen: Um zu sehen, ob ich Schnitt oder Stoff auch nach dem ersten Eindruck noch so toll finde und um Zeit zum Stoffkauf zu haben. So kann ich das ein oder andere Angebot nutzen und spare Versandkosten.

2. Stoffe auf Vorrat kaufen?

Stoffe, auf die man beim Stöbern stößt, zu kaufen, um später etwas Tolles daraus zu nähen, lohnt sich in der Regel nicht, es sei denn, ihr habt bereits einen Schnitt dafür im Kopf und wisst genau, welchen Stoffverbrauch ihr haben werdet.

Stoffe auf Vorrat zu kaufen, kann sich aber dann lohnen, wenn es um Stoffe geht, die ihr ohnehin ständig benötigt. Ich kaufe zum Beispiel größere Mengen an Jersey in Schwarz und Grau als Deadstock Fabrics. Das sind zwei Stoffe, die wir wirklich ständig verbrauchen. Das ist aber nur der Fall, weil ich wirklich alles selber nähe und daraus viele Basics wie Shirts, Schlafanzüge und Unterwäsche entstehen.

3. Mehrere Projekte aus einem Stoff zaubern

Der zu den Schnittmustern angegebene Stoffverbrauch bedeutet in den seltensten Fällen, dass der benötigte Stoff wirklich den Angaben entspricht. Das hat natürlich Vorteile, denn ein paar Zentimeter Zugabe sind in den meisten Fällen schon günstig und es ist super ärgerlich, wenn der gekaufte Stoff nicht ausreicht. Ich versuche daher, wenn möglich, aus einem Stoff gleich mehrere Projekte zu machen. Hier in diesem Wochenrückblick könnt ihr zum Beispiel sehen, dass ich einen Stoff für einen Hoodie gleich noch für einen Loop und eine Jogginghose genutzt habe.

Aus Jerseyresten entstehen bei uns übrigens immer auch gleich Unterhosen. Boxershorts für Junior und süße Slips für mich. Die sind soooo schön und bequem, dass keiner von uns beiden mehr gekaufte Unterwäsche tragen möchte 😉 Und wenn ihr dann kalkuliert, was Stoff und Material kosten und wieviel ihr für die einzelnen Kleidungsstücke gezahlt habt, ist das Nähen meistens doch günstiger.

4. Stoffreste verbrauchen

An den Geldbeutel denke ich beim Vernähen der Stoffreste selten. Mir sind die Stoffe vielmehr zu schade, um sie wegzuwerfen. Aber tatsächlich nähe ich häufig Geschenke oder kleine Mitbringsel aus den Stoffresten. Kleine Täschchen, Beutel und Buchhüllen zum Beispiel kommen immer gut an und ersetzen die ein oder andere Kleinigkeit, die man sonst kaufen würde.

5. Geschenkpapier sparen

Natürlich ist Geschenkpapier kein großer Kostenfaktor, aber wenn man es durch einen selbst genähten Geschenkbeutel aus Stoffresten oder einen mit Stoff beklebten Karton ersetzen kann, spart man doch ein wenig. Hinzu kommt, dass ihr der Umwelt einen Gefallen tut.

6. Upcycling

Viele der Kleidungsstücke, die ich einmal selbst genäht habe und beispielsweise dem Junior nicht mehr passen, bekommen ein zweites Leben. Kennt ihr das: Ihr näht süße Kindershirts, die die Kleinen mit Freude rauf und runter tragen und dann sind sie plötzlich herausgewachsen. Bei mir kommt in diesen Momenten immer Wehmut auf. Deshalb verarbeite ich alle alten Lieblingsshirts in T-Shirt-Quilts. Kuschelfaktor garantiert!

Habt ihr noch weitere Ideen, wie man beim selber Nähen sparen kann? Ich freue mich auf eure Kommentare!

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